Als Uno-Sonderberichterstatter für Folter und vorher als IKRK-Delegierter habe ich schon viel Schrecken und Gewalt gesehen. Wie schnell sich friedliche Länder wie Jugoslawien oder Ruanda in eine Hölle verwandeln können. An der Wurzel solcher Entwicklungen stehen immer Strukturen mangelnder Transparenz und unkontrollierter politischer oder wirtschaftlicher Macht, kombiniert mit der Naivität, Gleichgültigkeit und Manipulierbarkeit der Bevölkerung. Plötzlich kann das, was heute immer nur den anderen passiert – ungesühnte Folter, Vergewaltigung, Vertreibung und Ermordung – ebenso gut auch uns oder unseren Kindern passieren. Und es wird kein Hahn danach krähen. Das kann ich Ihnen versichern.
Linke Schreihälse, rechte Menschenfeinde – alle gleich schlimm? Nein, die extremen Rechten sind ein Sonderfall. Und Medien haben die Verantwortung, das herauszustreichen.
Kürzlich konnte man den Eindruck gewinnen, der seit Jahren heftig kriselnde Journalismus habe endlich das Tunnelende erreicht.
Von Franco Zotta
Die britische Tageszeitung Guardian verdient wieder Geld. Und der als Newsletterschreiber bekannt gewordene Ex-Spiegel– und Ex-Handelsblatt-Journalist Gabor Steingart hat die Gründung des Verlags Media Pioneer Publishing verkündet, wo mit neuem privatwirtschaftlichem Geschäftsmodell Qualitätsjournalismus (mit dem Motto: „100 Prozent Journalismus. Keine Märchen“) finanziert werden soll. Ist das das lang ersehnte Licht am Ende eines langen, langen Medienkrisentunnels, wie die Süddeutsche Zeitung titelt?
Schön wär’s. Doch wenig spricht dafür. Betrachten wir zunächst genauer den Guardian.
Menschen, die in diesem frühen September 2018 in meinem Schwabinger Kaffeehaus nach wenigen Minuten eines Leseversuchs ihre einst so geliebte SZ zu Seite legen, fragen mich immer wieder - da sie gehört haben, dass ich für eine sehr lange Zeit für viele nennenswerte Printorgane gearbeitet habe, was eigentlich aus uns Journalisten geworden ist, wann das "irgendwie" alles begann mit dem sittlichen Zerfall und ob sich die Branche irgendwann einmal wieder von dieser Implosion erholen wird und ob das eine Delle ist oder eine Art Grippe, wie Aids halt und man das wieder in den Griff bekommt.
Ende April 2014 schafften es zwei Brüder aus Berlin unfreiwillig auf die Titelseite der “BILD”-Zeitung. Die Schlagzeile: “Zwei deutsche Extremisten in Pakistan gefasst!” Doch die vermeintlichen Terroristen waren nur Touristen. Einer der Brüder berichtet auf SIEH DIE WELT, wie es dazu kam.