Es gibt Konflikte, die man so lange aus der Ferne betrachtet hat, dass man glaubt, sie zu kennen – bis man merkt, dass man sie nie wirklich verstanden hat.
Einer dieser Konflikte ist der zwischen Israelis und Palästinensern. Er begleitet mich seit Jahrzehnten wie ein Hintergrundrauschen: aktuell wieder laut, meistens leise, aber nie verstummend.
Ich habe ihn immer wieder wahrgenommen – in Schlagzeilen, in Debatten, in Bildern von brennenden Straßen und weinenden Kindern, von Soldaten an Checkpoints und Raketen über Städten. Und doch blieb er für mich bisher seltsam ungreifbar, wie ein Geräusch in der Ferne: hörbar, aber nicht zu sehen.
Kubernetes ist zum Rückgrat der modernen digitalen Infrastruktur geworden – es treibt alles an, von SaaS-Plattformen bis hin zu unternehmenskritischen Systemen im Gesundheitswesen, in der Finanzbranche und in der öffentlichen Verwaltung.
Doch eine Sache wird immer noch weit unterschätzt: Kubernetes allein reicht nicht.
Der Betrieb von Kubernetes in Produktion erfordert weit mehr als das Upstream-Projekt. Du brauchst Netzwerk, Storage, Observability, Security-Hardening, Upgrade-Tooling und operative Prozesse – alles eng integriert und kontinuierlich gepflegt.
Genau hier kommen Kubernetes-Distributionen ins Spiel.
Und wenn du diese Komplexität nicht selbst betreiben möchtest, gibt es eine Abstraktionsebene höher: Managed Kubernetes oder Managed OpenShift.
In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die Kubernetes-Distributionslandschaft im Jahr 2026 und erklären, warum das Auslagern des Betriebs oft die klügste Wahl ist.
In diesem Artikel gebe ich euch einen Überblick, was Network Bound Disk Encryption (NBDE) ist und beschreibe einen konkreten Anwendungsfall. Am Ende des Artikels führe ich einige Verweise auf, mit deren Hilfe ihr NBDE bei Interesse selbst implementieren könnt.
In dieser Artikelserie stellen wir die Linux-Distribution NixOS vor. Im ersten Teil geht es um die grundlegenden Konzepte des Betriebssystems.
- NixOS Teil 1 - Ein deklaratives Betriebssystem
- NixOS Teil 2 - Installation und Konfigurationsdatei
- NixOS Teil 3 - Paketmanagement
- NixOS Teil 4 - Persönliche Erfahrungen und Empfehlungen

Die Installation von NixOS ähnelt der von Arch Linux. Daher sollten Personen, die schon einmal Arch Linux installiert haben, keine grösseren Probleme damit haben. Ich zeige hier alle Befehle, welche ich für die Installation verwendet habe. Die Installation verwendet eine LUKS Verschlüsselung mit LVM und UEFI.

Ich wurde gefragt:
Hast Du eine Idee, wie ich seriös die Kosten für Cloud, reguläres und
selbst Hosting vergleichen kann?
Seriös nicht, weil das ein Problem mit mehreren Schichten ist und keine dieser Schichten irgendwie schön ist.
Rahmenbedingungen
Der Haupttreiber bei der ganzen Sache ist die simple Tatsache, dass wir immer mehr Transistoren auf einen Chip bekommen. Der Chip wird zwar nicht mehr schneller, weil bei circa 3 GHz Takt Dauerleistung Schluss ist, aber weil die Strukturen immer noch kleiner werden bekommen wir immer mehr Cores und Cache.
- + Erstklassige Bildqualität
- + Rosbust und Wasserdicht auch ohne Gehäuse
- + hohe Akkulaufzeit
- - schwer
- - unglücklicher Druckpunkt
Eigentlich wollte ich diesen Text Dokumentation von Code nennen, mir ist aber beim Schreiben aufgefallen, dass dieses Thema viel grösser ist.
Mich wurmt das Thema Dokumentation schon seit meines Studiums. Wir haben viel von Projektorganisationstechniken, wie Agile, Wasserfall oder V-Modell gelernt. Wir haben DevOps in einer Tiefe besprochen, dass es einem schon wieder an den Ohren auslief. Aber das Thema Dokumentation wurde immer nur sehr holzschnittartig betrachtet.
Jedes Mal, wenn es zur Sprache kam, wurde nur auf Softwaresysteme, wie JavaDoc, Doxygen und PHPdoc verwiesen. Damit dokumentiert man Code. Nicht zu viel, damit nicht bei jeder Änderung die Dokumentation angepasst werden muss und nicht zu wenig, sodass es praktisch nutzlos für das Verständnis wird. Für den „Rest“ gibt es UML, einen Standard der sehr präzise ist, aber derartig wenig Freiraum lässt, dass ich praktisch niemanden kenne, der ihn Standardkonform verwendet. Klassendiagramme sind dabei mein Lieblingskonstrukt, sie werden sehr schnell unübersichtlich ab einer gewissen Projektgröße, sodass man sich durch verschiedene Ebenen der Abstraktion bewegt, man aber ohne wochenlange Einarbeitung an der geistigen Speicherkapazität scheitert, wenn man in der dritten Ebene angekommen ist und nicht mehr weiß, was man ursprünglich suchte.
Ein Drama in mehr als 40 Wörtern.
Mit dezentralen Klimaanlangen kann man auch heizen. Wie viel das im Vergleich zu Gas-/Öl-Heizungen kostet und was Sie beachten sollten.
Nach unserer Betrachtung ("Wärmepumpen-Zentralheizung im Altbau")[https://www.heise.de/ratgeber/Waermepumpe-nachruesten-Wie-es-geht-und-was-Sie-beachten-sollten-7096535.html] und der (Folgebetrachtung der Alternativen dazu)[https://www.heise.de/hintergrund/Guenstige-Waermepumpen-Alternativen-Split-Klima-zum-Heizen-Kuehlen-und-Co-7148413.html] wünschten sich einige Leser eine genauere Betrachtung von Klima-Splitgeräten im Heizeinsatz. Dem möchte ich hiermit nachkommen.
Klima-Splitgeräte sind kleine Wärmepumpen, die ihre aus der Außenluft gehobene Wärme nicht an Wasser zur Verteilung im Haus abgeben, sondern über einen feinlamelligen Wärmetauscher direkt an die Luft des zu heizenden Raumes. Daher auch: "Luft-Luft-Wärmepumpe" (LLWP). Die LLWP lässt sich im Sommer zur starken Kühlung betreiben, während Zentralheizungs-WP meist nur zwei, drei Grad Abkühlung schaffen, sonst gäbe es bei üblicher Verrohrung zu viel Kondenswasser. Eine LLWP scheidet anfallendes Kondenswasser am Innengerät ab und führt es durch die Wand nach außen. Im Winter kondensiert wie bei großen Wärmepumpen Eis auf dem Gerät, das periodisch abgetaut wird, damit es den Wärmetauscher nicht zusetzt.
Beim dezentralen Heizen stellt sich die Frage, wie das Brauchwasser erzeugt werden sollte. Wir erklären, wann sich eine kleine Wärmepumpe lohnt.
Zum Anfang ein kurzer Abriss, worum es in diesem Text geht: Eine Brauchwasser-Wärmepumpe (BWWP) ist eine Wärmepumpe, die "kalte Wärme" aus der Umgebungs- oder Raumluft auf ein Niveau hebt, das zur Erwärmung von Brauchwasser (zum Beispiel zum Duschen) taugt. Wie in den vorangegangenen Artikeln verzichte ich auf eine Erläuterung, wie das genau funktioniert, weil diese Erläuterung in fast allen anderen Artikeln mit auch nur marginalem Wärmepumpen-Bezug stehen. Falls Sie das Prinzip noch einmal lesen möchten, empfehle ich die ausführliche Erläuterung des Bundesverbands Wärmepumpe hier [1]. Für die Entscheidung zur Anschaffung ist das Funktionsprinzip unerheblich, Sie können den Text also ohne weitere Vorkenntnisse verstehen. Die Geräte kosten 2000 bis 3000 Euro, je nach Installationslage auch mehr.
Dieser Artikel konzentriert sich auf wirtschaftliche Kennzahlen in Euro, weil die in einfachen Rechnungen argumentiert werden können, während es bei Umweltaspekten vergleichsweise hohe Unsicherheiten gibt – vom individuellen "Ich-tue-Gutes"-Gefühl ganz zu schweigen. Meine persönliche Ansicht: Wirtschaftlichkeit wird gern abgetan als Christianlindnerei.
Eine Wärmepumpe als Zentralheizung funktioniert auch in Bestandshäusern. Unser Erfahrungsbericht zeigt, was das kostet und welche Rolle die Dämmung spielt.
In diesem Artikel soll es darum gehen, unter welchen Voraussetzungen eine Wärmepumpe selbst unter rein wirtschaftlichen Aspekten gut aussieht. Denn die schwierige, aber notwendige Energiewende im Gebäudesektor kann nicht allein mit ein paar Idealisten gelingen. Stattdessen müssen Mehrheiten ran, und Mehrheiten gewinnt man, wenn es eine Teilhabe gibt. In diesem Fall: Wenn die Wärmepumpe bei den Kosten gegenüber anderen Heizungsarten konkurrenzfähig ist.
Hierzu gleich vorab: Die staatliche Förderung im Frühjahr 2022 hat einen großen Anteil daran. Wie die Strukturen nach Ablauf der Förderungsverzerrung aussehen, werden wir sehen, wenn 2030 die geplanten Förderungen auslaufen – falls sie auslaufen.
Eine großangelegte Umfrage zu Open Source zeigt, dass unvollständige oder verwirrende Dokumentation zu den Hauptproblemen freier Software zählt [1]. Das gilt neben Anwendungsdokumentation insbesondere auch für technische Dokumentation, etwa von Softwarearchitektur. Diese Aussage können wir sicherlich verallgemeinern: schlechte Dokumentation von Software erschwert Änderung, Support und letztlich auch Nutzung. Wir möchten hier auf technische Dokumentation von Software abzielen, also beispielsweise Entwicklungs-, Architektur- und Betriebsdokumentation. Das Thema Anwendungsdokumentation klammern wir bewusst aus.
Unserer Erfahrung nach behindern eine ganze Reihe von Faktoren die Erstellung und kontinuierliche Pflege technischer Dokumentation:
- Ungeeignete Werkzeuge, die ursprünglich nicht für die Erstellung und Pflege solcher Dokumentation gedacht waren.
- Geringe Motivation seitens der Entwicklungsteams, oftmals verstärkt durch die oben genannten Defizite der entsprechenden Werkzeuge.
- Unklare Vorstellung über Struktur, Form und Inhalt von Dokumentation: Entwicklungsteams haben keine klare Vorstellung davon, was und wie sie dokumentieren sollen.
- Schlechte Vorlagen ("Templates") für Dokumentation.
Der erste Teil der Artikelserie hat einen grundlegenden Überblick über Podman vermittelt, während der zweite Teil die Bausteine eines Linux-Containers und Sicherheitskonzepte von Podman genau beleuchtete, insbesondere die Ausführung ohne Root. Der dritte und letzte Teil der Artikelserie widmet sich den fortgeschrittenen Anwendungsfällen von Podman, angefangen bei der automatischen Generierung von Systemd-Services bis zur Container-Ausführung auf einem anderen System.
Warum verbraucht ein aktueller VW Golf 1.0 eTSI 6 Liter und eine KTM 1290 Super Duke auch, obwohl sie viel weniger wiegt? Sie können diese Frage mit beliebigen Modellen und Antriebsarten umformulieren. Die Zahlen verschieben sich, die Frage bleibt bestehen: Müssten Motorräder nicht deutlich weniger verbrauchen? Und: Warum tun sie das nicht? Aus Gründen der Tradition verwendet dieser Text die Einheit "PS", um sie in Relation zu Masse (in kg) zu setzen, weil sich "kW pro kg" einfach noch nicht als Vorstellung durchgesetzt hat.
Ich geb' Gas, ich will Spaß
Der V-Motor der KTM 1290 Super Duke R liegt so weit von einem Golf-Motor entfernt, wie es ein Benzinmotor nur sein kann.
Der banalste Aspekt ist der der Auslegung. Ein Motorrad in Europa wird nicht auf Fortbewegung optimiert, sondern auf seinen primären Einsatzzweck, den Spaß. Das Segment heißt "Powersports". Der realistischere Vergleich wäre also das Motorrad mit einem Sportauto. Die KTM Super Duke MJ 2018 wiegt 218 kg vollgetankt und leistet 130 kW (177 PS). Setzen wir noch 80 kg Fahrer drauf, liegt das Leistungsgewicht bei knapp 1,7 kg pro PS. Der Golf wiegt mit DIN-Fahrer (75 kg), fast vollem Tank (DIN: 90 Prozent) und Automatikgetriebe 1365 kg. Ein Auto dieser Masse müsste für dasselbe Leistungsgewicht etwas über 800 PS leisten, um Parität beim Leistungsgewicht zu erreichen. Sie können ja einmal auf Spritmonitor durchblättern, was Autos in der Gegend 800 PS/1300 kg verbrauchen. Spoiler: Es sind mehr als 6 Liter.
Für dieses Tutorial habe ich eine Installation mit Debian 11.1 (Bullseye) verwendet. Auf dem Host existieren die beiden User Alice und Bob, welche für die Nutzung von rootless-Podman vorbereitet werden.
Die Einrichtung von rootless-Podman unter Debian Bullseye
Rootless-Container haben die Eigenschaft, dass sie in User Namespaces (siehe user_namespaces(7) und namespaces(7)) ausgeführt werden. UIDs und GIDs, welche innerhalb des Containers existieren, werden dabei auf UIDs/GIDs des Hosts abgebildet. So besitzt ein Prozess, welcher innerhalb eines Containers mit der UID 0 (root) läuft, außerhalb des Containers bspw. die UID 165537 und damit die Rechte eines normalen Benutzers.
Mit den XBee Modulen können verschiedene Netzwerkarchitekturen aufgesetzt werden. Ich verwende nur eine direkte Verbindung zwischen den beiden Modulen. Dieser Verbindungstyp ist voreingestellt und funktioniert auf Anhieb mit den XBee Pro Modulen. Natürlich kann man hier noch eigene Einstellungen vornehmen wie der Name der Verbindung bzw. das Netzwerkes heißen soll. Das empfiehlt sich wenn mehrere XBee / ZigBee Netzwerke in direkter Nähe zueinander betrieben werden. Ich benötige die Datenübertragung zwischen meiner Basistation und der mobilen Einheit für die genaue differential GPS Positionierung mit der RTK Bibliothek meines Roboters.
Als erstes werden einfach die XBee Pro Module auf die XBee Explorer USB Adapter gesetzt und via USB-Kabel am Raspberry Pi angeschlossen. Ich habe meine beiden Module jeweils an die Basistation und an die mobile Einheit angeschlossen.
Arrogante Soldaten verlieren sicher, besagt ein chinesisches Sprichwort. Auf die Halbleiterbranche der Volksrepublik bezogen heißt das: Wer ihre Leistungsfähigkeit nur daran misst, ob China die kleinsten derzeit technisch machbaren Prozessknoten mit einer Strukturbreite von fünf Nanometern herstellen kann, zieht bei der geopolitisch-technologischen Auseinandersetzung mit dem Reich der Mitte den Kürzeren.
Der Tagesspiegel hat einen Text mit dem Titel „Wenn Weiß-Sein zum Makel gemacht wird“ veröffentlicht. Im ersten Absatz schreibt die Autorin Fatina Keilani:
„Als Liz Taylor 1963 als Königin Kleopatra im Kino zu sehen war, hat niemand die Frage öffentlich diskutiert, ob Taylor eine Fehlbesetzung ist, weil sie weiß ist.“
Alles daran ist bemerkenswert.
1963 war das alles entscheidende Jahr in der Geschichte der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Nach dem Ende der Sklaverei im Jahr 1865, führten die Südstaaten die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung durch die sogenannten „Black Codes“ und die „Jim Crow“ Gesetze unangetastet weiter. Durch Systeme wie das „Convict Leasing“ wurde die Leibeigenschaft ausgeweitet und für diejenigen, die dieser neuen Form der Sklaverei nicht entkamen, verschlechterte sich ihre Situation rapide.
Nach und nach setzte sich in weiten Teilen der USA die sogenannte Rassentrennung durch, die die Ungleichbehandlung schwarzer und weißer Menschen zementierte. Schwarze galten bis in die 1960er Jahre als beinahe vogelfrei. Der Ku-Klux-Klan wütete und öffentliche Lynchmorde wurden als Volksfeste gefeiert. Als der 14-jährige Emmett Till beschuldigt wurde, einer weißen Frau hinterhergepfiffen zu haben, machten sich ihr Ehemann und ihr Schwager auf, holten Till aus dem Haus seines Onkels und verschwanden mit ihm. Als man ihn fand, konnte er nur noch anhand eines Ringes identifiziert werden, den er an einem seiner Finger trug. Das war 1955. 8 Jahre vor 1963.
Emmett Till war kein Einzelfall. Der Wunsch nach Freiheit und Gerechtigkeit mündete in der Bürgerrechtsbewegung, die 1963 mit ihrem Marsch nach Washington einen ihrer Höhepunkte erreichte. Ein Jahr später wurde der „Civil Rights Act“ beschlossen, Martin Luther King erhielt den Friedensnobelpreis, ein weiteres Jahr später folgte der „Voting Rights Act“. Drei weitere Jahre wurde Martin Luther King von einem Rassisten erschossen.
Das sollte man wissen, wenn man den Einstiegssatz von Fatina Keilani in seiner ganzen Blüte rezipieren möchte.
„Als Liz Taylor 1963 als Königin Kleopatra im Kino zu sehen war, hat niemand die Frage öffentlich diskutiert, ob Taylor eine Fehlbesetzung ist, weil sie weiß ist.“
Stimmt. Das könnte damit zu tun gehabt haben, dass die Menschen in dieser Zeit damit beschäftigt waren nicht gelyncht zu werden. Oder verprügelt, weil sie es wagten als schwarze Schülerin eine weiße Schule zu besuchen oder als schwarze Frau den Sitzplatz nicht für einen weißen Mann freizumachen. Da bleibt nicht besonders viel Zeit, sich mit der Besetzungspolitik einer Hollywood-Produktion zu befassen.
Das ist heute ein wenig anders. Und Keilani ist wenig erfreut.
„Im Jahr 2021 wird die Frage diskutiert, ob die Israelin Gal Gadot in einer geplanten Neuverfilmung Kleopatra verkörpern darf – obwohl sie weiß ist.“ und weiter heißt es: „Jedes Kind würde heute zudem sagen: „Juckt doch niemanden, ob sie weiße, braune oder grüne Haut hat, Hauptsache, sie kann die Rolle.““
Nun ja.
Bis vor fünf Jahren störte sich niemand daran, dass 92% der bestbezahlten Regisseure männlich und 86% aller Spitzendarstellerinnen in Hollywood weiß waren. Den meisten fiel das wahrscheinlich nicht einmal auf, bis die Oscar-Academy im Jahr 2015 für alle 20 Oscar-Nominierungen ausschließlich weiße Schauspielerinnen in Betracht zog. Im Jahr 2016 änderte sich das fundamental, als... Hahaha, Quatsch. Auch in diesem Jahr wurden 20 der 20 Oscar-Nominierungen für die beste schauspielerische Leistung mit weißen Schauspieler*innen besetzt.
Dass weiße Menschen, die weiße Menschen spielen, einen Oscar für ihre guten Leistungen erhalten, ist das eine. Das andere hingegen ist das eklatante „Whitewashing“, das über Jahrzehnte hinweg in Hollywood praktiziert wurde. Darunter versteht man, dass selbst Rollen von nichtweißen Menschen durch weiße Schauspieler*innen dargestellt werden. So spielte Jake Gyllenhaal den Prinz von Persien, Emma Stone die halb-Asiatin Allison Ng, Christian Bale den biblischen Mose und Joel Edgerton den Ägypter Ramses, Gerard Butler den ägyptischen Gott Set, John Wayne den Mongolen Dschingis Khan oder eben Liz Taylor die ägyptische Königin Kleopatra.
Doch so vertraut es auch sein mag, dass nichtweiße Personen durch Weiße dargestellt werden, so groß ist die Empörung, wenn sich der Spieß umdreht. Als der schwarze Schauspieler John Boyega in einer „Star Wars“-Verfilmung einen (schwarzen) Stormtrooper spielt, hagelte es Kritik. Die Produktionsfirma, die Drehbuchautoren und der Schauspieler selbst wurden rassistisch beschimpft, in Teilen der „Star Wars“-Anhängerschaft wurde zum Boykott des Films aufgerufen. Dasselbe geschah als die schwarze Schauspielerin Amandla Stenberg die Figur „Rue“ in „Die Tribute von Panem“ verkörpert. Über die Frage, ob James Bond schwarz sein darf - und warum er es immer noch nicht ist - ließen sich ganze Regalreihen füllen.
Das alles sollte man wissen, wenn man den zweiten Teil von Fatina Keilanis Einstiegsszene richtig bewerten möchte.
„Juckt doch niemanden, ob sie weiße, braune oder grüne Haut hat, Hauptsache, sie kann die Rolle“ - meint das fiktive Kind in Keilanis Text, das sich mit der Geschichte des US-amerikanischen Schauspiels genauso wenig auskennt wie Keilani selbst. Dafür sind die beiden grundsympathischen Filmfreundinnen immerhin meinungsstark. Wenigstens etwas.
Rein intellektuell befindet sich dieser Einstieg in den Text, selbst bei wohlwollender Betrachtung, ungefähr auf Fußleistenniveau. Im besten Fall könnte man Keilanis Worte als ein großelterliches „Früher war alles besser“ abtun. Im schlimmsten Fall offenbaren sie eine derartige Ignoranz über die historischen Hintergründe der „Jim Crow“-Ära, dass man sich fragen muss, ob die verantwortliche Redakteurin mit der Veröffentlichung dieses Artikels die Selbstzerstörung des Tagesspiegels einleiten wollte. Meinungsfreiheit und Pressefreiheit bedeuten eben auch, dass sich jede so gut blamiert, wie sie nur kann.
Überhaupt fragt man sich, was genau denn früher nun besser gewesen sein soll. Dass man vom eklatanten Rassismus in der Gesellschaft unverhohlen profitiert hat anstatt ihn laut und wütend zurückzuweisen? Oder dass sich die Betroffenen nicht mit dem Rassismus im Filmgeschäft herumplagen wollten, weil sie damit beschäftigt waren für die Anerkennung ihrer Menschen- und Bürgerrechte zu kämpfen?
Egal wie man es dreht und wendet: Dieser Texteinstieg lässt Fragen offen, nicht nur zur zum Wissensstand, sondern auch zur Intention der Autorin. Fragen, die sich teilweise klären lassen, wenn man die folgenden Absätze in Betracht zieht.
„Aus der Mission „Rassismus bekämpfen“ haben einige Debattenteilnehmer zudem inzwischen ein privates Geschäftsmodell gemacht: sei es als Buchautorin, Ex-Journalist und Buchautor, Talkshow-Dauergast oder twitternde Vierfachmutter“ heißt es im folgenden Absatz.
Alle Menschen, die für Keilanis Geraune herhalten müssen, sind recht eindeutig zu identifizieren. Die „Buchautorin“ ist die Schriftstellerin Alice Hasters, der „Ex-Journalist und Buchautor“ ist Hasnain Kazim, die „twitternde Vierfachmutter“ ist Jasmina Kuhnke-Mannel und der „Talkshow-Dauergast“ bin wohl ich. Uns allen, die wir über unterschiedliche Kanäle und mit unterschiedlichem Schwerpunkt über Rassismus aufklären und unsere Expertisen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, unterstellt Keilani, dass wir aus der „Mission Rassismus bekämpfen“ ein „privates Geschäftsmodell“ gemacht hätten. Auch diese Aussage ist von der Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt. Es ist sogar gut, dass der Tagesspiegel diese identifizierende Berichterstattung als Text in seinem Meinungsressort veröffentlicht und damit aller Welt beweist, dass nicht einmal jene Meinungen einer „Cancel Culture“ zum Opfer fallen, deren Qualität man nur noch auf der nach oben offenen Attila-Hildmann-Skala bemessen kann.
Der Grundgedanke ist dabei nicht einmal neu. Im April des Jahres 2020 veröffentlichte die WELT einen langen wirren Text über die Neue deutsche Medienmacher*innen, die sich mit ihrer Arbeit für mehr Vielfalt in deutschen Redaktionen bemühen. Wie die WELT zu ebenjener Vielfalt steht, offenbart sie mit einer Frage, die in der Mitte des Artikels zu finden ist:
„Deutsche Redaktionen sind zumeist grün oder sozialdemokratisch ausgerichtet. Ist es in diesem Milieu nicht vielleicht sogar von Vorteil, einen migrantischen Hintergrund zu haben?“
Nur zur Einordnung: Jeder 50. Journalistin hat einen Migrationshintergrund. Überschrieben ist der WELT-Artikel mit dem Titel „Antirassismus als Geschäftsmodell“.
Zwei Jahre zuvor stellte die AfD eine kleine Anfrage zu den „Neuen Deutschen Medienmacher*innen“, die den Grundgedanken der beiden Artikel in der WELT und im Tagesspiegel vorwegnimmt. Eine der Fragen, die die AfD an die Bundesregierung stellt, lautet:
„In welcher Höhe lagen bisher die Förderungen des Vereins NdM durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“?“
Man könnte auch anders fragen: Inwiefern fördert die Bundesregierung Antirassismus als Geschäftsmodell?
Als einer der Angesprochenen in Keilanis Text kann ich versichern: Antirassismus ist ein Geschäftsmodell, das sich im besten Fall mit dem Symbolbild „Geldverbrennungsmaschine“ beschreiben lässt. Zum schlimmsten Fall komme ich gleich.
Hätte ich jede Minute, die ich mit antirassistischer Arbeit verbracht habe, in eine Tätigkeit als Unternehmensberater investiert, hätte ich mein monatliches Einkommen verdreifacht. Das allermeiste was an antirassistischer Arbeit leiste, mache ich ehrenamtlich. Weder meine Twitter-Threads noch meine Facebook-Beiträge sind monetarisiert, die Einnahmen, die sich aus der Veröffentlichung meiner Texte auf Nachrichtenseiten ergeben, spende ich oder investiere sie in das gemeinnützige Unternehmen „Demokratie in Arbeit“, das ich letztes Jahr gegründet habe. Mit Letzterem verdiene ich übrigens keinen einzigen Cent.
Ich weiß, dass es viele andere, die sich im Bereich der Antirassismus-Arbeit engagieren, ebenso halten. Doch nicht nur dort. Auch in den Bereichen Umweltschutz, Seenotrettung oder Obdachlosenhilfe arbeitet der überwältigende Teil der Menschen ehrenamtlich. Und die wenigen Hauptamtlichen würden mit einer vergleichbaren Position in der Wirtschaft ihr Einkommen signifikant erhöhen. Diejenigen hingegen, die mit einem Parlamentsmandat fürstlich besoldet werden und sich für Antirassismus und sichere Fluchtwege engagieren, tun dies häufig bis zur Selbstaufgabe. Ich erinnere mich dabei an ein Telefonat mit dem Europaparlamentsabgeordneten Erik Marquardt, der sich für die schlechte Verbindungsqualität entschuldigte. Er sei gerade auf der griechischen Insel Lesbos, um den Menschen in den Flüchtlingsunterkünften zu helfen. Eigentlich seit Monaten schon. „Wenn ich schon derart viel Geld bekomme, möchte ich es wenigstens nutzen, um etwas halbwegs Gutes zu tun“.
Antirassismus als Geldverbrennungsmaschine ist das eine. Der deutlich schlimmere Fall ist der Hass, der einem entgegenschlägt. Der oben erwähnte Hasnain Kazim hat in einem schwer verdaulichen Text über die zahlreichen Morddrohungen gegen ihn und seine Familie geschrieben, über die Todeslisten, auf denen er regelmäßig auftaucht und über die Strafanzeigen, die häufig folgenlos bleiben. Das Buch, das ihn zum „Ex-Journalisten und Buchautor“ macht, heißt „Post von Karlheinz“ und rekapituliert all die Hassmails, die er über die vielen Jahre seiner journalistischen Tätigkeit bekommen hat und die er nun mit diesem Buch öffentlich macht.
Was den Hass, die Hetze, die Beleidigungen, die Todeswünsche und die Morddrohungen betrifft, kommt mir all das leider nur allzu bekannt vor. Mittlerweile kann ich mich kaum mehr aufraffen jedes Mal einen Strafantrag zu stellen, nur um ein halbes Jahr später das Schreiben der Ermittlungsbehörden zu lesen, sie hätten das Verfahren eingestellt.
Ich weiß, dass es Jasmina Kuhnke-Mannel genauso geht, kenne manchen schmierigen Inhalt ihrer elektronischen Postfächer, die zudem auch noch sexistischen Dreck und so machen unverhohlenen Vergewaltigungswunsch enthalten. Ich finde es beeindruckend, dass sie trotz der Drohungen gegen sie und ihre Kinder weiterhin den Mut aufbringt sich zu alledem zu äußern. Kuhnke-Mannel arbeitet als Autorin für diverse Fernsehproduktionen und schreibt Kolumnen, Antirassismus ist in ihrem Fall Ehrenamt und kommt noch oben drauf. Für all das muss sie sich von Keilani als „twitternde Vierfachmutter“ verhöhnen lassen.
Vor dem Hintergrund all dessen nun den Kampf gegen Rassismus als lohnendes privates Geschäftsmodell zu bezeichnen, ist mindestens absurd, wenn nicht sogar offen bösartig. Einiges spricht dafür, dass Letzteres der Fall ist.
Bereits im November letzten Jahres schrieb Fatina Keilani in einem Artikel über „Zwangsbeglückung durch Feminismus und Anti-Rassismus und wem sie nützt“. In dem Text kommt der Schwarze Andrew Onuegbu zu Wort, der ein Restaurant in Kiel betreibt und das er „Zum Mohrenkopf“ genannt hat. In der Talkshow „hart aber fair“ schildert er seine Beweggründe und verteidigt diesen Namen. Keilani nimmt Onuegbu als Kronzeugen für ihre Theorie, dass es denjenigen, die für Antirassismus eintreten „um die Sache gar nicht geht – sondern um das eigene Gefühl der moralischen Überlegenheit. Sie brauchen die „Unterdrückten“ mehr als diese sie – denn ohne sie hätten die Zwangsbeglücker keine Mission mehr und müssten verstummen“. Ich war Gast in derselben „hart aber fair“-Folge und habe sowohl den Anwesenden als auch den Zuschauer*innen erklärt, dass Onuegbu nur für sich sprechen kann und die zahlreichen Schwarzen in diesem Land nicht repräsentiert, die sich durch das Wort „Mohrenkopf“ rassistisch beleidigt fühlen. Genauso wie die „Juden in der AfD“ nicht für alle Jüdinnen und Juden sprechen.
Der Artikel über das „Geschäftsmodell Antirassismus" hat sich für Keilani und den Tagesspiegel gelohnt. Ganz unironisch und im Sinne konventioneller Geschäftsmodelle. Keilani hat im Anschluss an ihren Artikel ihre Followerzahlen innerhalb weniger Tage vervierfacht. Selbst für den Tagesspiegel mit seinen 460.000 Followern gehört der beworbene Artikel zu den reichweitenstärksten Tweets der vergangenen Zeit. Üblicherweise rangieren dort die Fav-Zahlen zwischen 0 und 40. Artikel, die besonders gut laufen, liegen im unteren dreistelligen Bereich. Keilanis Artikel allerdings hat in drei Tagen 2.162 Favs eingesammelt.
Der Tagesspiegel verdient sein Geld unter anderem mit Webseitenwerbung, die umso höher ausfällt, je häufiger ein Artikel geklickt wird.
Man könnte fast meinen, Rassismus sei ein lohnendes Geschäftsmodell.
Verkehrsfluss und Verkehrssicherheit – diese beiden Themen stehen im Fokus, wenn es um die Planung von Straßen geht. Und auch bei der Frage, ob ein Knotenpunkt als Kreisverkehr, mit einer Ampel oder als einfache Kreuzung geplant wird, sind diese beiden Aspekte relevant. Es liegt also nicht an persönlichen Vorlieben der Planer, wenn an einer Stelle ein Kreisverkehr gebaut wird und anderswo eine Ampel-Kreuzung.